Jene Qualifikation für Nachwuchs-Grand Prix-Pferde hatte ein entsprechend interessantes Starterfeld, unter anderem die Olympiazweite Dorothee Schneider und Hessenmeister Thomas Wagner stellten ihre Zukunftshoffnungen auf S***-Niveau vor. 
Für Schneider und Wagner ist Langen natürlich ein Katzensprung in die Nachbarschaft, bei besten Bedingungen für die Pferde. Andere müssen ihre Turnierauftritte übers Jahr planen – mit zunehmend spitzem Bleistift, denn so manch (fremder) Besitzer eines Grand Prix-Pferdes wägt inzwischen mögliche Preisgelder plus weiche Werbeeffekte gegen tatsächliche Ausgaben ab. Für Gäste aus ganz Deutschland sind eine eventuelle Platzierung und Ranglistenpunkte in der Grand Prix Tour plus ein Programm für Nachwuchspferde nicht - mehr - Anreiz genug. Dabei ist Langens Vereinsvorsitzende Elisabeth Oppermann-Willers froh, dass der RFV Langen dank Freunden und Gönnern einen Turnier-Etat nahe der 50.000 Euro stemmen kann. Als Ehrenpreise gibt es in Langen stets massives Silber – und eben nicht plated. Nur abgesehen von Landesmeistern und in (Familien-)Tradition Verbundenen wie Dorothee Schneider & Co. Ist klar: Die „großen internationalen Namen“ lockt man inzwischen auch mit Prüfungen, von denen eine so hoch dotiert ist, wie in Langen der gesamte Turnieretat. 
Doch das war und ist nicht die Idee, weswegen der RFV Langen seit über 40 Jahren sein Turnier macht und sich über die Landesgrenzen hinaus einen Namen gemacht hat. Die Vereinsfreunde in Langen machen ein Turnier für jene, bei denen man selber das Jahr über auf Turnier war oder mit denen man sich nett auf anderen Turnieren getroffen hat – ganz familiär. Nur wird jene Familie kleiner wie auch anspruchsvoller, die Anlässe für gemeinsame Feiern werden seltener. Und sich dazu aufzuraffen, fällt schwerer – denn nicht nur die Kinder wollen am Wochenende schon um 05.00 Uhr aufstehen müssen, um ab 7.00 Uhr dann im Regen zu reiten. Auch wenn der Boden perfekt ist.
Wer daran noch Spaß hat und für die das zum Leben gehört, ist die Reiterfamilie Rueben aus der Nähe von Aachen. Sie sind in Langen „zu Gast bei Freunden“, wie Moderator Hubert Heep betont: Sohn Johannes Rueben sitzt im Sattel, seine Mutter Susanne schaut aufmerksam zu und Ruebens hochschwangere Frau managed im Hintergrund alles. Und so gewinnt am Ende der zurückhaltende junge Mann mit seinem inzwischen 17-jährigen, seit Jahren hocherfolgreichen Hannoveraner-Wallach Adventure im großen Finale die Grand Prix Kür um den Preis der Familie Poremba mit 69,38%. Noch eine Goldene Schleife bekommt er für den Sieg in der Inter II zum Auftakt der Grand Prix-Tour – zusammen mit Dr. Katja Galmbacher auf Rigamento OLD, die ebenfalls punktgenau 1221,5 Punkte und 64,29% erzielen.  Im Grand Prix de Dressage um den Preis der Schaeffler Automotive Aftermarket und im Grand Prix Special um den Preis der Julia Richter schlägt die Stunde der Würzburgerin Monika Ulsamer, die ihren Wolkenstein-Sohn Watch Me gefällig und korrekt vorstellt (66,32% im GP, 63,57% im Special). Im Feld der Platzierten aus dem Rheinland, der Pfalz, dem Ländle und Bayern etablierte sich - wie schon beim Turnier auf dem Hofgut Petersau - die für die RSG Falkenberg startende Winzerin aus Hessen, Kirsten Ewald-Flick, mit ihrem König Drosselbart auf Platz Drei im Grand Prix (65,32%) und Platz Zwei im Special.
Intermediaire-Tour beeindruckt mit guten Pferden – und gutem Startergebnis 
Es muss nicht immer Grand Prix sein, um spannenden Sport bieten zu können – zumindest für die Fachleute. Vor allem die Prüfungen der Intermediaire-Tour waren ein Hingucker. Und die Starterzahlen in der Intermediaire-Tour um den Preis der Roland Busch (Frankfurt) mit knapp 50 Startern war erfreulich, die Qualität der Pferde in dieser Prüfung lässt für die Zukunft hoffen: Ein Pferd wie der 9-jährige Westfalen-Wallach Freckle, im Besitz der Familie Porsche und einst im Dienst von Uta Gräf – die diesmal nicht in Langen war. Freckle ist nun im Beritt der Berufsreiterin Juliane Fehl, die  vom RC Bissingen an der Teck „aus dem Ländle“ kommt – wie auch etliche weitere Starter. Jenes Paar beeindruckte mit großer Harmonie und das der Future-Sohn aus einer Gribaldi-Mutter betörte mit enormer Bewegungsathletik, was zum Sieg in einer der zwei Abteilungen der Inter I führte. Das Große Finale dieser Tour um den Preis der Roth Versicherungen gewann erwartungsgemäß Dorothee Schneider. Mit ihrem sichtlich gereiften De Niro-Sohn Derano (73,68%) sowie dem 11-jährigen Württemberger-Hengst Santos (69,37%) erzielte sie souverän einen Doppelsieg, vor Fehl mit Freckle. Knapp dahinter als Vierter der Langener Lokalmatador Marc Lingelbach (24). Mit seinem Routinier Rolex (v. Rodgau) setzt der Jura-Student in dieser Saison seine Erfolgsserie fort und kann in diesem Umfeld und ansprechenden Leistungen mit einer Olympiazweiten und ihren Nachwuchspferden durchaus mithalten.
 
„Stars von morgen“ – die heimliche Top-Tour von Langen
Wie bereits in den vergangenen Jahren nutzte Schneider das Turnier vor allem dazu, um ihre Nachwuchspferde für die große Tour vorzustellen. Auf einen Start in der Grand Prix Tour verzichtete sie. Im Gegenzug ging sie bei der Langener „Stars von morgen“-Qualifikation - einer Cupserie für Grand Prix Nachwuchspferde – mit dem erst 9-jährigen Oldenburger Rapphengst Fackeltanz OLD uns über 70% in der Langener Qualifikation zum Finale dieser Serie in München (im September) einzufahren. Routiniert ließ sie sich auch bei Fehlern, die auch ihr durchaus mal unterlaufen, nicht aus dem Konzept bringen: Einen Fehler in den Einer-Wechseln hakte sie direkt ab und machte ihn mit perfekten Pirouetten mehr als wett – die bekanntlich eben doppelt zählen. Zweite wurde die fleißige Württembergische Berufsreiterin Renate Gohr-Bimmel mit Don Ravel und 67,47%, genau einen Punkt vor der Drittplatzierten Katrin Burger (Gehrde), die aus dem Oldenburgischen mit ihrem Rapphengst Salazar (67,42%) eigens angereist war. So gut besetzt entwickelte sich die „Stars von morgen“-Qualifikation als Quasi-Grand Prix Tour mit hochinteressanten Nachwuchspferden zur heimlichen Topprüfung von Langen.
 
Rheinländische Kader-Juniorin sammelt in Hessen Schleifen
Das kleine Finale der Intermediaire Tour um den Preis der Familie Lange (Langen) wie auch etliche weitere Prüfungen in der Junioren/Junge Reiter-Tour gewann eine junge rheinländische Kaderreiterin aus der Nähe von Aachen: Charline Wetzler (RV Scherpenseel) beherrschte mit dem erst 9-jährigen Stedinger-Sohn Sirius Black die Konkurrenz – übrigens ein Rappwallach aus einer Weltmeyer-Mutter aus der Zucht von Herrmann Meyer. In dieser Prüfung des kleinen Finales gingen die Richtermeinungen über die dargebotene Qualität des Reitens auseinander: Ein Richter sah lieber die Schafhof-Bereiterin Carolin Brandt mit ihrem Rappen Dark Ocean auf Eins, sein Kollege eher Renate Gohr-Bimmel und ihre Nachwuchshoffnung Delta Queen. 
Katharina Tascher mit Sieg in Junioren/Junge Reiter Tour 
In der Junioren/Junge Reiter-Tour konnte Katharina Tascher vom RC Altenstadt mit gutem Reiten überzeugen, in einem insgesamt sehr ansprechenden Starterfeld – trotz parallel stattfindender Deutscher Jugendmeisterschaft im pfälzischen Zeiskam. Jene junge Reiterin aus der Wetterau hat erfolgreich den Wechsel vom Pony zum Großpferd gemeistert. So sah die Jury sie nahezu einhellig auf Platz Eins - was bei der Rangierung der weiteren nicht mehr einhellig der Fall war. Tascher gewann in der M-Dressur um den Preis der Roland Schmitt Automaten (Wiesbaden) mit ihrem 8-jährigen KWPN-Wallach Sandro’s Bud (66,71%) diese Konkurrenz vor Pia Wintzer mit ihrem 14-jäghrigen Hannoveraner Hengst Eastwood (64,84%), die beim Langener Ausbilder Stefan Lange trainieren.
 
Gutgelaunter Hessenmeister Wagner 
Goldene Schleifen gab’s auch für den sichtlich gut gelaunten Hessenmeister Thomas Wagner vom Bad Homburger Kronenhof: In der S-Dressur auf Trense um den Preis der Schoder GmbH mit der erst 7-jährigen Oldenburger Sir Donnerhall-Tochter Suena mit 69,91%, 9 Punkte vor Dorothee Schneider mit dem 8-jährigen Trakehner Rapphengst Amadelio. Mit dem 6-jährigen Wallach Dawn gewann er zudem die Konkurrenz in der Dressurpferdeprüfung der Klasse M, bei der unter anderen auch Perspektivkader-Reiter Jan Herrmann sein mit beeindruckenden Grundgangarten begabtes Nachwuchspferd San Pelegrino vorstellte. Ein Händchen für begabte junge Pferde scheint auch Bianca Helmling zu haben: Die junge Reiterin aus der hessischen Pferdezucht-Hochburg Beerfelden im Odenwald hat sich nach ihren Jugendkader-Zeiten für Hessen und Westfalen inzwischen mit der Ausbildung von jungen Pferden selbständig gemacht. In Langen war Helmling noch vor der Prüfung morgens die Erste auf dem Viereck und zeigte ihren Pferden den Platz – so macht man’s richtig: Denn am Ende hatten die ihre 5-jährigen Hannoveraner-Rappwallach First man in Black (v. Fürst Rousseau) in der Dressurpferde L um den Preis der Familie Murmann die Nüstern vorn.
 
Peil gewinnt erneut Qualifikation der ST Masters
Zur Förderung von Schülern und Trainern gab’s in Langen die vorletzte Station der ST-Masters Serie. Hier ließ Marie-Christin Peil (RV Johannishof Bad Nauheim) mit Diva Jay dem Gewinn der ersten Qualifikation in Wolfskehlen gleich den zweiten folgen (68,83%). Zusammen mit ihrem Trainer Marc-Patrick Fritz auf Lawrence Jay sicherte sie sich erneut die Team-Wertung und hat schon vor der letzten Qualifikation – in Darmstadt-Kranichstein - damit einen Startplatz fürs Finale beim Frankfurter Festhallen Reitturnier so gut wie sicher. Die Trainer-Wertung der ST-Masters-Quali gewann in Langen diesmal die Ausbilderin von der Domäne Kinzigheimer Hof, Stefanie Kerner. 
 
Lena, Rena und Steffi –  begeistern im Berufsreiter-Championat
Erstmals seit der Austragung des Hessischen Berufsreiter-Championates seit 23 Jahren machte ein charmantes Trio dreier junger Damen den Sieg unter sich aus. In den Kreis der erfolgreichen Vorjahressiegerinnen Stefanie Kerner (2013, 2012), und Rena Fraikin (2011) konnte erstmals auch die Lena Waldmann (Wiesbadener RFC) vorstoßen. Die 24-jährige Ex-Stewardess, die sich mit Wechsel zum Bereiter-Beruf einen Jugendtraum erfüllte, stellt seit 2 Jahren einige Pferde des Gestüts Tannenhof auf Turnieren vor. Nun stellte sie in Langen auf S-Niveau „ihren“ inzwischen 8-jährigen Hengst Tannenhof’s Cassitano gekonnt vor und konnte andere bereits bundesweit erfolgreiche Kollegen nach den Qualifikation aus dem Trio der Besten verdrängen. 
Im Finale  ging Stefanie Kerner als Titelverteidigerin im Dressur-Championat der Hessischen Berufsreiter an den Start. Mit dem von ihr vorgestellten 11-jährigen Hannoveraner-Wallach Camerino (v. Cordoba) gelang ihr gleich ein Auftakt nach Maß: Fast 70% für ihren Ritt ließ die Spannung bei ihren Konkurrentinnen um die Champions-Schärpe und Eichenkranz steigen. 
Doch auch die Championesse von 2011, Rena Fraikin, war mit klaren Ambitionen nach Langen gereist. Im Finale mit Pferdewechsel - im Preis in memoriam Liselott Schindling Rheinberger - zeigte die Ausbilderin von der Frankfurter RTG Waldfried dann mit den fremden Pferden die entscheidende Nervenstärke. Während Kerner, die die Final-Aufgabe sonst „im Schlaf“ reiten kann, diesmal sich verritt, unterliefen Rena Fraikin mit den Pferden ihrer konkurrierenden Kolleginnen keine gravierenden Fehler. Jeweils Ergebnisse um die 65% waren am Ende für ihren Sieg ausschlaggebend. Erfreulich für Fraikin als Ausbilderin, dass auch der von ihr ausgebildete 12-jährige Alabaster-Sohn Alabama zum besten Pferd im Finale avancierte. 
Eine schöne Szene: Am Ende lagen sich Lena Waldmann und Stefanie Kerner – die jeweils mit dem Pferd ihrer anderen Kollegin einiges zu meistern hatten - gegenseitig in den Armen und prosteten fröhlich ihren Fans und Freunden zu. 
Es gibt sie also doch noch: die große kleine Familie an Reiterfreunden.
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Das Langener Reitturnier bot auch den passenden Rahmen für die Auszeichnung eines erfolgreichen hessischen Reiters mit dem Goldenen Reitabzeichen – das der Vogelsberger Berufsreiter Heinrich Damian Brähler (RFV Herbstein) aus der Hand des Kurhessischen Verbandschefs Dr. Carsten Munk verliehen bekam. Brählers Berufskollegen und die Finalteilnehmer aus der Grand Prix Tour waren eigens zum Spalier aufgerittenen und prosteten dem sichtlich gerührten Reiter zu – der von seinen zahlreich angereisten Fans und Freunden noch Stunden nach Ende des Turniers gebührend gefeiert wurde. 
Tränen liefen so manchen Freunden, Familienangehörigen und Fans über die Wangen, als vor der abschließenden Quadrille der Hessischen Berufsreiter noch verdiente Berufs-Kollegen mit dem Silbernen Verdienstabzeichen der Bundesvereinigung der Berufsreiter (BBR) ausgezeichnet wurden. Die vier Ausgezeichneten Katja Lange, Katja Willers, Bernhard Fliegl und Ralf Hartmann hatten bis zu dem Zeitpunkt davon nichts gewusst – was ihre Überraschung zeigte, als sie dann aus dann wieder heiterem Himmel Hessens BBR-Delegierte Uwe Karow und Stefan Lange zur Aufstellung im Viereck gebeten wurden: 
Die besondere Ehre dieser Auszeichnung wurde den drei Pferdewirtschaftsmeistern Katja Lange, Katja Willers und Ralf Hartmann wegen ihrer Verdienste um Ausbildung von jungen Reitern und die sportliche Förderung von Pferden bis Grand Prix-Niveau zuteil. Beim vierten Ausgezeichneten - Bernhard Fliegl – macht(e) die BBR ihrem Delegierten Stefan Lange zufolge „ganz bewusst das erste und einzige Mal“ eine Ausnahme von der Regel, dass nur Pferdewirtschaftsmeister diese Auszeichnung erhalten können: Denn Fliegls Verdienste als Bundestrainer der Para-Equestrians werden international gerühmt, schließlich ist seine National-Equipe mit internationalen Stars wie Hanne Brenner seit Jahren auf Goldkurs.
 
+++ Text(e): Jan Reumann +++