40.Jubiläums-Reitturnier Langen 2012

 

  • - Olympia-Zweite Dorothee Schneider siegt in 6 der 18 Dressur-Prüfungen

  • - Bundeskader-Reiterin Uta Gräf gewinnt „Stars von Morgen“-Quali

  • - Stefanie Kerner (Bruchköbel/Hanau) neue hessische Berufsreiter-Championesse

  • - Hessenmeister Thomas Wagner und Constantin Pistner (Bad Homburg) vorn in „Schüler-Trainer-Masters“-Tour



Der „Wettergott“ schien zu 40. Jubiläum des Turniers vom Reit- und Fahrverein Langen einfach zu gnädig zu sein: Strahlender Sonnenschein, nicht eine Wolke am Himmel – „36 Grad und es wird noch heißer“ – diesen Song spielte Turniersprecher Hubert Heep zwischendurch passend ein. Spanien liegt wohl derzeit in Südhessen.


Bei solchem Wetter schienen sich denn der Spanier Juan-Antonio Jimenez-Cobo und seinem Rapphengst „Elevado“ so richtig wohl zu fühlen: Der Olympia-Zweite von Athen und sein erst 8-jähriger Hannoveraner gewannen überlegen mit über 74 % die letzte Prüfung am Sonntagnachmittag, die Inter I-Kür zur Musik. Der Kronenhof bot den passenden Rahmen, der Veranstalter hatte am Sonntag alle Prüfungen auf seinen von hohen Birken gesäumten und somit abgeschatteten Dressurplatz „Nr. II“ verlegt. Denn die Bäume spendeten Pferden, Reitern und den am Ende noch herbei geströmten Zuschauern Schatten und somit erträgliche Temperaturen. Als letzter Reiter begeisterte der eigens angereiste Madrilene mit seinem gut austrainierten Hengst zu Wiener Walzer-Klängen Publikum und Richter – die sich bei dem Ambiente schon auf südländische Kastagnetten-Klänge eingestellt hatten. 




„Showtime für Schneider“


Auch ohne Streicherklänge alle(s) überragend, Attraktion und Augenweide waren die Vorstellungen der Olympia-Zweiten Dorothee Schneider. Die sympathische Framersheimerin, nun Shootingstar der internationalen Grand Prix-Szene, ist seit Jahren Stammgast in Langen und hatte aus alter Verbundenheit ihr Kommen zugesichert. Nur zwei Tage nach ihrer Rückkehr von London hatte die für den Frankfurter Turnierstall Schwarz-Gelb startende Rheinhessin hier ihren ersten sportlichen Auftritt auf heimischen Boden. 


Und was für einen: Gleich sechs der 18 Prüfungen gewann sie mit ihren Pferden überlegen, darunter die wichtigste: den Grand Prix auf dem Oldenburger Wallach „Whizzkid“ (v. Welt Hit II), vor Johannes Rüben (Würselen) auf „Adventure“ und Henri Ruoste (Finnland / RV Appelhülsen)) mit „Don’t Forget“. Mit feinem korrekten Reiten, viel Ausdruck und gut gesetzten Pirouetten war sie in dieser Prüfung nicht zu schlagen – mit 70,72% knackte das Paar auch die magische Grenze von 70 %. Mit 67,27 % im Endergebnis auf Platz Zwei kam der junge Rheinländer Johannes Rüben (Würselen/Aachen), der mit seinem großrahmigen 15-jährigen Hannoveraner „Adventure“ (v. A Jungle Prince) unlängst den Großen Preis von Rheinland-Pfalz auf dem Hof der Familie von Opel gewonnen hatte. 





Vorgestern noch London, heute Langen – Schneider mit 6 Siegen


In der Intermediaire-Tour von Langen belegte Schneider mit ihrem 16-jährigen Trakehner-Hengst „Polarzauber TSF“ (v. Charly Chaplin) und dem 13-jährigen De Niro-Sohn „Dakapo“ jeweils in zwei Prüfungen die beiden vorderen Plätze. In der Youngster-Tour holte sie mit dem in diesem Jahr sichtlich gereiften 7-jährigen Zweibrücker Landbeschäler „Stockholm“ (v. Stedinger) die goldene Schleife (71,17%), vor Benjamin Werndl mit seinem 7-jährigen Hannoveraner-Wallach „Royal Spirit“ (66,57%). Den ersten Sprung aufs Treppchen seit London gab’s für Schneiders ersten Auftritt auf heimatlichen Boden mit „Showtime“ (Wertnote 8,6), den sie vor der Olmpiade für die Weltmeisterschaften der Jungen Pferde qualifiziert hatte. In Langen zeigte die Framersheimerin, dass sie auch bei diesem parallel zu London stattfindenden Pferde-Event in Verden sicher vorne mitgeritten wäre.


 

„Stars von Morgen“  - Uta Gräf greift gekonnt nach den Sternen


Aufgrund des umfangreichen Prüfungsangebotes von Langen kam auch eine der namhaftesten Konkurrentinnen von Dorothee Schneider nach Langen, nämlich Bundeskader-Reiterin Uta Gräf aus der Pfalz. „Das haben die in Langen klasse gemacht – so reitet die Dorothee hier Grand Prix und ich die „Stars von morgen“. Passt doch perfekt!“ lachte die stets gut gelaunte Pfälzerin. In eben jener „Stars von Morgen“-Qualifikation in Langen, einer Dressur-Cupserie der Klasse S auf Drei-Sterne-Niveau, gewann sie beide Prüfungen. Gräf konnte sich allein aufgrund herausragender Piaffen und fehlerfreier Wechseltouren mit ihrem Pferd „Dandelion“ (v. De Niro) gar einen Fehler für Verreiten erlauben – die „Schaukel“ im Schritt hatte sie schlichtweg zuerst vergessen. Mit nur einem Punkt Vorsprung (70,52%) hatte „Dandelion“ die Nüstern denkbar knapp vorn vor dem niederländisch gebrannten Gribaldi-Sohn „Unee“ (70,47%), den Bayerns „charmantester Dressurexport“ Jessica Werndl (Aubenhausen) im Dressurviereck wieder ansehnlich vorstellte. 



„Bayerns charmantester Dressurexport“ – Jessica Werndl wieder top


Die mehrfache Jugend-Europameisterin hatte mit ihrem Bruder Benjamin die weite Anreise aus dem Voralpenland nach Südhessen auf sich genommen. Mit zwei zweiten Plätzen hinter der klar favorisierten Gräf feierte die junge Aubenhausenerin die Fortsetzung ihres Come Backs auf (inter-)nationaler Turnierszene. Sie ist nun die Führende in der „Stars von Morgen“-Tour, dessen Finale am letzen September-Wochenende in München-Riem ausgetragen wird. Auch in der Youngster-Tour kam Werndl mit ihrem 8-jährigen Hannoveraner „Redford“ (v. Rosentau) der markanten Pfälzerin Gräf nahe, die ihren 7-jährigen Vize-Weltmeister „Damon Jerome“ (v. Damon Hill) in einer S-Dressur auf Trense auf Sieg steuerte (73,15%).



Berufsreiter-Championat – „Hessischer Neuzugang aus Liebe“ sorgt für frischen Wind


Ein „hessischer Neuzugang“ sorgte in der bei den Zuschauern sichtlich beliebtesten Prüfung für Aufmerksamkeit – dem Finale im Berufsreiterchampionat mit Pferdewechsel. Stefanie Kerner, ehemals Bereiterin auf dem Hof Kasselmann im niedersächsischen Hagen, ist jetzt zu ihrem Lebensgefährten Frank Lugge auf die Domäne Kinzigheimer Hof in Bruchköbel bei Hanau gezogen. Und sorgt für frischen Wind in der hiesigen Dressurszene: Nach ihrem Sieg im Hessischen Reitpferde-Championat in Neu-Anspach kommt jetzt noch der – begehrte – Sieg im Championat der Hessischen Berufsreiter auf dem 8-jährigen Zweibrücker „Don Enrico“ (v. Don Schufro) dazu. Überlegen gewann die versierte Reiterin das Finale mit Pferdewechsel, bei der sie ihre Erfahrung mit dem schnellen Einstellen auf ihr unbekannte Pferde ausspielte und gar mit dem Pferd „Rotwelsch“ (v. Rostpon) ihrer Kollegin Rena Fraikin besser ritt als mit ihrem eigenen. Zweite wurde eben jene Vorjahres-Championesse Rena Fraikin (Frankfurt) mit 3050 Punkten vor dem jüngsten der drei Finalisten, Jan Herrmann (Nidda) mit „A special Delight“ (3046), der vernehmlich den größten Fanblock am Rande des Dressurvierecks auf dem Langener Kronenhof hatte. Die Fans werden jetzt auch in Stefanie Kerners neuem Heimatstall, der Domäne Kinzigheimer Hof, einiges zu feiern haben: Denn ihr Lebensgefährte Frank Lugge gewann beim parallel stattfindenden Springturnier im bayrischen Eichenbühl den Großen Preis.


 

ST-Masters – Starker Trainer Wagner holt Team-Sieg fast im Alleingang


Viele junge Fans feuerten bei der ST-Masters ihre Ausbilder und jungen Nachwuchstalente an, die bei diesem Cup mit gemeinsamer Schüler-Trainer-Wertung um den Zuspruch der Richter reiten. In der Schülerwertung auf M-Niveau siegte mit 65,94 % die junge Südhessin Giulia Gastecki (Gundernhausen) auf ihrem sich fulminant bewegenden Ponyhengst „Vom Feinsten“ (v. Verdi), vor der für den RV Wintermühle startenden Laura Reinke mit dem 13-jährigen Hannoveraner Wallach „Chamberlain“ (v. Compliment). In der Trainer-Wertung ritt Hessenmeister Thomas Wagner (Bad Homburg) in der Einzel-Wertung mit satten 800 Punkten im St.Georg auf dem 14-jährigen Hannoveraner Fuchshengst „Weyden’s Welt“ (v. Weyden) einen solchen Vorsprung heraus, dass er am Ende zusammen mit seinem in der Schülerwertung nicht platzierten Eleven Constantin Pistner auf Bergerac (v. Bellissimo) am Ende doch die Team-Wertung gewann und beide begeistert auf Ehrenrunde gingen.



Langen: Guter Sport bei - zu - gutem Wetter


Auch wenn diesmal nicht zu schlechtes, sondern zu gutes Wetter einige Starter und Zuschauer vom Kommen abgehalten hatte, waren die Veranstalter des RFV Langen mit den Starter- und Zuschauerzahlen zufrieden – von den gebotenen sportlichen Leistungen waren sie angetan bis begeistert. Der passende Abschluss am Ende des Turniers war das umjubelte Schaubild der Quadrille der hessischen Berufsreiter, was viele Fans angelockt hatte, die das unbedingt sehen - und nicht ins Freibad wollten. Insgesamt rund 1.500 Zuschauern hatten bei südländischen Temperaturen das Dressurturnier begleitet, welches mit Namen und sportlichen Highlights glänzen konnte. Das 40. Jubiläums-Reitturnier in Langen wurde wieder für beste Bedingungen für Pferd und Reiter von Sportlern wie Jessica Werndl, dem Berufsreiter-Delegiertem Ralf Hartmann und von Dorothee Schneider öffentlich gelobt. 


Auch Schneider freute sich besonders darauf, bei der nächsten Auflage des Langener Reitturniers auf dem Kronenhof wieder dabei zu sein - „wenn ich darf“, wie sie kokett und fröhlich der sichtlich gerührten Chefin des Kronenhofs Elisabeth Oppermann-Willers versprach.


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